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JIKI direkt
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DEN Übermittlung, Übertragung Überlieferung
alt SHIN Herz, Geist
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KAN - Haus, Halle
alt KAI - Gesellschaft, Gemeinschaft

Jikidenshinkan – über die Evolution eines Namens

Im Frühjahr 2005, also nun vor etwas mehr als 10 Jahren haben wir das dringende Bedürfnis verspürt die Art unseres Übens zu ändern und im kleinen Kreis zu üben. Insbesondere entsprechend unserer Neigungen zu üben, ohne Dogmen einfach zu übernehmen, sondern alles selbst zu erfahren, ohne uns dabei zu schonen. Also wirklich Keiko bzw. Shûgyô zu betreiben. Nach nunmehr 10 Jahren des entsprechenden Übens, vielen Abwegen und Verirrungen, einer Vielzahl erfolgloser und erfolgreicher Danprüfungen, sowie der Anfertigung umfangreicher Übersetzungen der Aussagen japanischer Sensei und deren praktischem Erproben, ergibt sich folgendes Bild: Obwohl häufig unrichtig gedeutet oder nur teilweise wiedergegeben, haben sich die Dogmen der Schwertkampfkunst für uns als richtig erwiesen! Dieses Wissen und diese Gewissheit sind nun unser Besitz. Das bringt aber auch eine veränderte Einstellung bezüglich der Didaktik des Schwertweges hervor. Bevor 2007 das große Dôjô fertig war, haben wir im kleinen Dôjô geübt. Dabei hat es sich um einen Raum in einem Wohnhaus gehandelt, den wir intern Hakushinkan genannt haben. In Anlehnung an das Dôjô von Sagawa Hakuo Hanshi, das gibt es in Deutschland ja häufig. Wir fühlten uns durch unsere Lehrfolge berechtigt und diese ist ja auch nicht zu leugnen. Genetisch, geschichtlich oder akademisch, unsere Vorfahren sind unsere Vorfahren. Diese Beziehung ist weder zustimmungspflichtig noch beinhaltet sie zwingend den Anspruch alle Qualitäten dieser Vorfahren zu vereinen oder auch nur zu erreichen. Sie bindet uns aber gleichermaßen nicht daran ihre Mängel beizubehalten. Letztendlich ist der Sensei in seiner wörtlichen Bedeutung nur derjenige der vorlebt, weil er schon vorher (länger) gelebt hat. Durch seine Stärken spornt er uns an ihn zu übertreffen. Durch seine Schwächen erkennen wir die Notwendigkeit ihn zu übertreffen. Dieses Bestreben ist unerlässlich, es zu unterbinden fällt eben unter die Kategorie seiner Schwächen. Das große Dôjô trägt den Namen Jikidenshinkan und davon abgeleitet der 2010 gegründete Verein den Namen Jikidenshinkai. Die Möglichkeiten der Übersetzung sind vielfältig. Wir verstanden dies als Affirmation des Lehrer-Schüler- Verhältnisses in der Schwertkampfkunst im Gegensatz zum dem des Trainer/Übungsleiters zu dem gemeinen Sporttreibenden. Diese Wertigkeit hat sich relativiert. Zum einen durch die o.g. Erkenntnis, dass der Lehrer Keiko und Shûgyô nur vorbildhaft unterstützen, aber weder ersetzen noch vorwegnehmen kann. Zum anderen durch die ernüchternde Erfahrung, dass Schüler bei einem derartigen Anspruch der Lehrer immer hinter den Erwartungen zurück bleiben. Und letztlich durch die Erfahrung, dass Lehrer die selbst nicht oder nicht mehr Keiko und Shûgyô betreiben, ihre Schüler nur zurückhalten. Somit ist für uns das Dôjô Jikidenshinkan nicht mehr primär die „Halle in der die Übermittlung direkt von Herz zu Herz erfolgt", obwohl diese Bild geradezu von Zen überläuft, sondern vielmehr die „Halle in der der Geist (das Herz) gepflegt wird, das die Schwertkampfkunst unmittelbar korrekt erlernen möchte". Mit anderen Worten also wie es auch schon vor 10 Jahren war, möchten wir hier Keiko und Shûgyô betreiben.