Kendôkyôhon

 

Mit der selben Motivation mit der wir im Kalenderjahr 2008 das Projekt "Tachigiri no Seigan" angegangen sind, haben wir uns 2009 mit einem anderen Thema beschäftigt, über das in Kendôkreisen viel gesprochen wird, über das aber kaum jemand praktische Erfahrungen zu haben scheint: Vorkriegskendô

Wie aus unseren Vereins- und Dôjônamen ersichtlich, sind wir davon überzeugt, dass die unmittelbare Erfahrung im Budô unverzichtbar ist.

Wie schon beim Tachigiri no Seigan steht uns auch zu diesem Thema kein erfahrener Lehrer (mehr) persönlich zur Verfügung. Ist dies der Fall, ist das eigene Erproben, egal wie begrenzt, hochwertiger als jedes Buchwissen oder gelehrte Annahme.

Wir sind somit wiederum folgendermaßen vorgegangen:

  1. Identifizierung der Person eines gesicherten Lehrer mit maximaler Kompetenz.
  2. Sammlung gesicherter schriftlicher Anweisungen dieses Lehrer, wenn möglich von diesem Lehrer selbst verfasst und im Original.
  3. Einüben der beschriebenen Techniken im Rahmen unseres Verständnisses begrenzt durch unser Können.
  4. Erprobung der Funktionalität im Jigeiko.



 

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Der von uns gewählte Lehrer ist Takano Sasaburo Hanshi (1863-1950), ein Schüler von Yamaoka Tesshu. Er war maßgeblich beteiligt an der Entwicklung der Butokukai Kendôkata. Er war oberster Bujutsuausbilder der Saitama Polizeiakademie und Kendôlehrer an diversen Universitäten. Insbesondere am Tôkyô Shihan Gakko (Tôkyô Lehrer College), das unter dessen Präsidenten Kano Jigoro (1860-1938 Gründer des Judô) die erste Abteilung für Körperertüchtigung beinhaltete, die erstmals Budôlehrer für öffentliche Schulen ausbildete. Takano Sasaburo hat diverse Bücher geschrieben, darunter das Kendô Kyôhon (Kendo Lehrbuch) von 1930, in dem er die 68 Shinaitechniken von Chiba Shusaku Narimasa ( 1794 - 1855 Begründer der Hokushin Ittoryû) auf die seiner Meinung nach maßgeblichen 50 Techniken reduziert. Das Kendô Kyôhon wurde glücklicherweise 1993 in ursprünglicher Optik neu aufgelegt.

Die folgenden Filme geben diese 50 Techniken wieder. Einige Techniken entsprechen der aktuellen Ausführung der Zen Nihon Kendô Renmei. Andere kommen dort gar nicht vor. Besonders interessant sind jedoch die Techniken gleichen Namens die offensichtlich aber damals anders ausgeführt worden sind. Die von ihm beschrieben Prinzipien des Kumiuchi geben wir anhand von 6 beispielhaften Filmen wieder.

Wir führen die 50 Techniken ein Mal langsam und einmal in normalem Tempo aus.

Die langsame Variante soll die Beobachtung der Technik vereinfachen und erfolgt oftmals mit einem anderen Timing und auch einer anderen Fußarbeit.

Die normale Variante gibt das Tempo wieder das wir im Jigeiko miteinander noch sicher beherrschen können.

Beide Varianten entsprechen jedoch voll den schriftlichen Ausführungen Takano Sasaburo Hanshis, so wie wir sie verstehen.

Die 6 Filme über die Prinzipien des Kumiuchi zeigen wir jeweils aus 2 Blickwinkeln.